{"id":2413,"date":"2015-05-09T16:53:12","date_gmt":"2015-05-09T14:53:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/?p=2413"},"modified":"2021-08-13T16:57:43","modified_gmt":"2021-08-13T14:57:43","slug":"der-beamte-des-diktators","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/der-beamte-des-diktators\/","title":{"rendered":"Der Beamte des Diktators"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-199\" src=\"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/tages-anzeiger-300x79.jpg\" alt=\"Tages-Anzeiger\" width=\"300\" height=\"79\" srcset=\"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/tages-anzeiger-300x79.jpg 300w, https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/tages-anzeiger-260x69.jpg 260w, https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/tages-anzeiger-50x13.jpg 50w, https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/tages-anzeiger-150x40.jpg 150w, https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/tages-anzeiger.jpg 680w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Wiktor Chrapunow war das Ziel der Auftraggeber von FDP-Nationalra\u0308tin Christa Markwalder. Kasachstan will seinen Kopf. Zu Recht?<\/p>\n<p>\u00abWie ist der Stand im Verfahren gegen Wiktor und Leila Chrapunow?\u00bb Das wollen Christa Markwalder und vor allem ihre kasachischen Auftraggeber, die f\u00fcr sie die Interpellation geschrieben haben, vom Bundesrat wissen. Das inzwischen geschiedene Ehepaar lebt seit 2007 in Genf. Auf der Flucht vor dem kasachischen Pr\u00e4sidenten Nasarbajew, der ihnen nach dem Leben trachte, sagt Wiktor Chrapunow. Weil er, der zwei Jahrzehnte lang sehr hohe \u00c4mter innehatte, Millionen gestohlen habe, sagt \u00adKasachstan und hat 2012 ein Rechtshilfe\u00adgesuch in der Schweiz eingereicht.<\/p>\n<p>In Genf l\u00e4uft deshalb ein Verfahren wegen Geldw\u00e4scherei. Zweimal reisten im letzten Jahren kasachische Ermittler an, wie der zust\u00e4ndige Staatsanwalt best\u00e4tigt. Grosse Fortschritte habe es bislang nicht gegeben. Ein Auslieferungs\u00adgesuch Kasachstans lehnte die Schweiz laut dem Bundesamt f\u00fcr Justiz 2014 ab.<\/p>\n<p>Zum Gespr\u00e4ch bittet Chrapunow an nobler Adresse. Im B\u00fcro seines Anwalts wartet auch ein Sprecher. Genf hat dem Kasachen eine Aufenthaltsbewilligung erteilt, er wird pauschal besteuert. Auf gegen 70 Millionen Franken wurde das Verm\u00f6gen der Familie beim Eintreffen des Rechtshilfegesuchs gesch\u00e4tzt. Zwei Drittel davon sind Immobilien, die teilweise mit Hypotheken belegt sind. Chrapunow bestreitet die Zahl nicht. Er und seine Exfrau bezahlen in Genf Steuern von je 280\u2019000 Franken pro Jahr. Laut Chrapunow \u00fcbernimmt Leila alles \u2013 auch seine Unterhaltskosten. Er besitze nichts, nicht einmal ein Schweizer Konto. Ihr Verm\u00f6gen habe Leila legal \u00aderwirtschaftet. Sie war seine zweite Ehefrau. Schon reich und als Unternehmerin in Kasachstan ber\u00fchmt, als sich die beiden in den 90er-Jahren fanden.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 20px;\">Die Raubz\u00fcge der M\u00e4chtigen<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Der ethnische Russe, dessen Vorfahren seit Generationen in Kasachstan leben, kommt aus einfachen Verh\u00e4ltnissen, wie er in seiner Autobiografie schreibt. Ihr Stil erinnert an einen Sozrealismus-Roman. Chrapunow beschreibt sich als fr\u00fchreifen F\u00fcnfj\u00e4hrigen, den das magere Angebot der Dorfbibliothek entt\u00e4uscht. Sp\u00e4ter als Chrampfer, der vor nichts zur\u00fcckschreckt. \u00dcbernimmt er einen Posten, wird \u00abTag und Nacht gearbeitet\u00bb.<\/p>\n<p>Chrapunow macht Karriere, schon zur Zeit des Kommunismus und vor allem nach dem Ende der Sowjetunion. Er erz\u00e4hlt, wie sich um ihn herum die M\u00e4chtigen die Sch\u00e4tze Kasachstans unter den Nagel reissen. Vor allem der Clan des Pr\u00e4sidenten. \u00abIch habe nie etwas \u00adgenommen\u00bb, sagt Chrapunow. \u00abIch war als Minister zust\u00e4ndig f\u00fcr Elektrizit\u00e4t und Kohle, aber mir geh\u00f6rt kein einziges Kraftwerk. Ich war B\u00fcrgermeister von Almaty, und mir geh\u00f6rt dort kein Haus.\u00bb<\/p>\n<p>Die kasachische Justiz sieht das anders. Als B\u00fcrgermeister der Grossstadt habe er Partner bevorteilt, Konkurrenten um Millionen gebracht, sich am Verkauf von \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden bereichert. \u00abL\u00fcgen\u00bb, sagt Chrapunow. Er habe gegen\u00fcber der Staatsanwaltschaft alles offengelegt. Die Genfer Beh\u00f6rden sagen, \u00abdas Ehepaar kooperiert\u00bb.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 20px;\">Im Exil zum Kritiker<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Daf\u00fcr, dass Nasarbajew ihn ausschalten will, hat Chrapunow zwei Erkl\u00e4rungen. 2007 heiratete sein Stiefsohn die Tochter des schwerreichen Muchtar Abljasow, damals Besitzer von Kasachstans gr\u00f6sster Bank, die inzwischen verstaatlicht wurde. In Kasachstan, wo famili\u00e4re Verbindungen \u00fcber Aufstieg oder Fall entscheiden, eine heikle Affiche f\u00fcr den Pr\u00e4sidenten \u2013 Kapital- und Politwissen vereint in einem Clan. Sofort sei er, damals Minister, auf der Abschussliste gelandet, sagt Chrapunow. Er habe entschieden, das Land zu verlassen \u2013 in Richtung Genf. Abljasow fl\u00fcchtete zwei Jahre sp\u00e4ter und sitzt heute in Frankreich in Auslieferungshaft. Er soll Milliarden abgezweigt haben. Auch in Frankreich setzt Kasachstan auf prominente Helfer \u2013 etwa Jacques Attali, lange Jahre Berater von Staatspr\u00e4sident Fran\u00e7ois Mitterrand.<\/p>\n<p>Im Exil ist Chrapunow zu einem lautstarken Kritiker Nasarbajews geworden. Er beschreibt ihn heute als \u00abDespoten\u00bb, der nichts und niemanden neben sich dulde. Dennoch hat er als \u00abBeamter\u00bb, wie er sich nennt, das Regime fast zwei Jahrzehnte mitgetragen. Er habe zu lange nicht realisiert, wer Nasarbajew wirklich sei, so seine Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Bis 2010 sei er von Kasachstan in der Schweiz in Ruhe gelassen worden, sagt Chrapunow. Dann der Skandal, seine zweite Erkl\u00e4rung: Es wird publik, dass Dinara, die Tochter des Pr\u00e4sidenten, zusammen mit ihrem Gatten Timur Kulibajew eine Villa in einem Genfer Vorort gekauft hat \u2013 f\u00fcr fast 75 Millionen Franken. Die Genfer Staatsanwaltschaft nimmt \u00adErmittlungen wegen Geldw\u00e4scherei auf. Ende 2013 wird das Verfahren eingestellt. Es wird \u00f6ffentlich, dass es auf Dokumenten, die Ex-Banker Abljasow eingereicht hatte, basierte.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 20px;\">Bespitzelt und gehackt<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Villenskandal seien er und seine Familie beschattet worden, sagt Chrapunow. Im Auto der Tochter fand sich ein GPS-Sender, sein Computer sowie jener des Anwalts und des Sprechers wurden gehackt. Spezialisten der Bundespolizei h\u00e4tten die Existenz des Virus best\u00e4tigt. Alle drei reichten Anzeige ein. In K\u00fcrze erwarte die Bundesanwaltschaft einen Bericht, der zeigt, ob es eine Verbindung zu Kasachstan gibt. Die Beh\u00f6rde will sich dazu mit Verweis auf das Amtsgeheimnis nicht \u00e4ussern.<\/p>\n<p>Ebenfalls 2010 erschienen in der Schweiz Artikel, in denen das Verm\u00f6gen Chrapunows thematisiert wurde. Die Zeitschrift \u00abBilan\u00bb f\u00fchrte ihn mit 300 bis 400 Millionen Franken in ihrer Reichstenliste. Eine Fantasiezahl, sagt er. Die kasachische Justiz habe die Artikel aber zum Anlass f\u00fcr Ermittlungen genommen. Sie seien gezielt platziert worden. Beweise daf\u00fcr gibt es nicht.<\/p>\n<p>Jedoch f\u00fcr die massive PR-Offensive Kasachstans gegen Chrapunow in der Schweiz \u2013 nicht erst seit dem Fall Markwalder. Die Ausgaben betragen inzwischen mehrere Millionen. Sicher ist das Engagement der Kanzlei Homburger, des privaten Nachrichtendienstes Arcanum, der PR-Agentur Burson-Marsteller sowie von Ex-Botschafter Thomas Borer.<\/p>\n<p>Hier schliesst sich der Kreis zwischen Pr\u00e4sidentenschwiegersohn Kulibajew und Asat Peruaschew. Jenem angeblichen Oppositionellen, der Markwalder via Burson-Marsteller zu ihrem Vorstoss anstiftete. Chrapunow kennt beide. Peruaschew sei jahrelang der Handlanger von Kulibajew gewesen \u2013 ehe er an der Spitze der Pseudo-Oppositionspartei Ak Schol installiert wurde. Zwei Tage vor Amtsantritt sei Peruaschew noch Mitglied der Pr\u00e4sidentenpartei gewesen.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 20px;\">Asylantrag eingereicht<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Allerdings weiss auch Chrapunow zu lobbyieren. Er hat einen Antrag auf politisches Asyl eingereicht, der derzeit in Bern gepr\u00fcft wird. Zur Seite steht ihm neu der Genfer FDP-Nationalrat Christian L\u00fcscher. Nur als Anwalt, sagen \u00adL\u00fcscher und Chrapunow. Den Fehler, einen Vorstoss im Namen seines Klienten einzureichen, beging L\u00fcscher nicht. Anders als im Jahr 2013 Parteikollegin Markwalder oder 2014 SVP-Nationalrat Christian Miesch f\u00fcr die Gegenseite.<\/p>\n<p>Seit 2014 wird auf Antrag Kasachstans auch in den USA gegen Chrapunow ermittelt. Die Kinder besitzen dort zwei Villen im Sch\u00e4tzwert von gegen zehn Millionen Franken. Die Gegenseite wirft Chrapunow vor, Geld aus der Schweiz wegzuverschieben. Auffallend ist auch, dass 2012 im Firmenregister bei mehreren Gesellschaften die Namen von Exfrau Leila und Stiefsohn Ilijas (Mitglied der Genfer CVP) als Besitzer gel\u00f6scht wurden. Chrapunows Begr\u00fcndung: das Geld. Seit dem Start der Ermittlungen sei das Gesch\u00e4ftsklima f\u00fcr seine Familie in der Schweiz schwierig geworden. Die Firmen seien deshalb verkauft worden \u2013 unter Wert. Die Genfer Staatsanwaltschaft habe alles kontrolliert. Alles sei korrekt abgelaufen.<\/p>\n<p>Dazu sagt die Beh\u00f6rde: Man sei derzeit nicht in der Lage, die Vorw\u00fcrfe gegen die Familie Chrapunow zu beurteilen. Das sei Sache der Kasachen.<\/p>\n<p>Quelle:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/der-beamte-des-diktators\/story\/30708305\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">TagesAnzeiger.ch<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/tagesanzeiger_9mai2015.pdf\">Original-Publikation im PDF-Format<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wiktor Chrapunow war das Ziel der Auftraggeber von FDP-Nationalra\u0308tin Christa Markwalder. Kasachstan will seinen Kopf. 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