{"id":2274,"date":"2015-01-22T14:57:42","date_gmt":"2015-01-22T13:57:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/?p=2274"},"modified":"2021-08-13T15:01:06","modified_gmt":"2021-08-13T13:01:06","slug":"es-geht-dabei-auchum-den-guten-ruf-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/es-geht-dabei-auchum-den-guten-ruf-der-schweiz\/","title":{"rendered":"\u00abEs geht dabei auchum den guten Ruf der Schweiz\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Ex-Botschafter Thomas Borer steht inmitten einer erbitterten Fehde zwischen einem kasachischen Ex-Minister im Genfer Exil und dem Staat Kasachstan.<\/p>\n<p>Viktor Krapunow und Nursultan Nasarbajew waren lange Zeit politische Weggef\u00e4hrten, ganz oben in der kasachischen Machtelite. Seit ein paar Jahren sind sie sich aber spinnefeind. Nasarbajew ist seit bald 25 Jahren Staatspr\u00e4sident von Kasachstan, das er als Autokrat mit eiserner Hand f\u00fchrt. Krapunow war Minister f\u00fcr die Strom- und Kohleindustrie, B\u00fcrgermeister von Almaty, der gr\u00f6ssten Stadt Kasachstans, und Gouverneur von Ostkasachstan \u2013 ehe er sich 2007 in die Schweiz absetzte. Der 66-j\u00e4hrige Krapunow, seit 2012 auf der Fahndungsliste von Interpol, lebt in Genf. Er hat ein Asylgesuch gestellt und inszeniert sich als politisch Verfolgter.<\/p>\n<p>Kasachstan wirft Krapunow schwere Delikte vor: organisierte Kriminalit\u00e4t, Geldw\u00e4scherei, Betrug, Veruntreuung, Amtsmissbrauch und Bestechung. Nach einem Rechtshilfegesuch aus Kasachstan f\u00fchrt die Genfer Staatsanwaltschaft seit \u00fcber zwei Jahren ein Strafverfahren gegen Krapunow und seine Frau Leila Krapunowa.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 20px;\">\u00abPlumpe Propaganda\u00bb<\/span><\/strong><\/p>\n<p>In der Fehde mit dem Ex-Minister im Genfer Exil setzen die kasachischen Beh\u00f6rden auf den Lobbyisten und fr\u00fcheren Schweizer Botschafter Thomas Borer. Die \u00abNeue Z\u00fcrcher Zeitung\u00bb hat nun in Details geschildert, wie Borer versucht, Schweizer Justizbeh\u00f6rden, Politiker und Medien im Sinne Kasachstans zu beeinflussen. Dabei st\u00fctzt sich die NZZ auf einen \u00abumfangreichen Datensatz\u00bb, der k\u00fcrzlich auf einer kasachischen Website ver\u00f6ffentlicht worden sein soll. In den Zehntausenden E-Mails gehe es gr\u00f6sstenteils um innerkasachische Angelegenheiten, es f\u00e4nden sich aber auch Dutzende Nachrichten, die Borers Lobbying in der Schweiz betreffen. Die Website ist zwar noch online, die E-Mail-Korrespondenz ist jedoch verschwunden.<\/p>\n<p>Der fr\u00fchere Schweizer Botschafter zeigt sich \u00aberstaunt\u00bb \u00fcber den Bericht der NZZ, \u00abdie auf plumpe Propaganda hereingefallen ist\u00bb. Borer kritisiert, dass ganz normale Lobbyarbeit, wie sie in der Schweiz jeden Tag stattfinde, als hochbedenklich hingestellt werde. \u00abWenn man meine Rolle als Lobbyist hinterfragt, m\u00fcsste man auch die Rolle des Genfer FDP-Nationalrats Christian L\u00fcscher hinterfragen, der als Lobbyist von Krapunow sogar im Nationalrat sitzt\u00bb, sagt Borer im Gespr\u00e4ch mit Tagesanzeiger.ch\/Newsnet.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 20px;\">Fragen zum Verm\u00f6gen der Krapunows<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Seine anwaltschaftliche T\u00e4tigkeit f\u00fcr Kasachstan sei ohnehin nur ein Nebenschauplatz im Fall Krapunow. Entscheidend sei, dass \u00abdie Familie Krapunow ihr Verm\u00f6gen wahrscheinlich auf unrechtm\u00e4ssige Weise erworben hat\u00bb. Laut Borer steht eine Frage im Vordergrund: \u00abWie ist es m\u00f6glich, dass ein B\u00fcrgermeister innert k\u00fcrzester Zeit zu grossem Reichtum kommt?\u00bb Das Wirtschaftsmagazin \u00abBilanz\u00bb sch\u00e4tzte einst das Verm\u00f6gen der Familie Krapunow auf 300 bis 400 Millionen Franken. Dies sei v\u00f6llig \u00fcbertrieben, sagte Krapunow vor zwei Jahren in einem Interview mit Tagesanzeiger.ch\/Newsnet, ohne aber einen Betrag zu nennen. \u00abUns geht es gut, aber wir sind nicht sehr reich\u00bb, meinte der Ex-Politiker aus Kasachstan weiter. Das Verm\u00f6gen der Familie stamme in erster Linie von seiner Frau, die in Kasachstan eine erfolgreiche Unternehmerin gewesen sei.<\/p>\n<p>Nach Ansicht der kasachischen Beh\u00f6rden ist der Reichtum der Krapunows das Ergebnis verbrecherischer Aktivit\u00e4ten. Krapunow steht im Verdacht, zwischen 1997 und 2004 sein Amt als B\u00fcrgermeister der Stadt Almaty missbraucht zu haben, sodass sich seine heute 56-j\u00e4hrige Gattin Leila bereichern konnte. Gem\u00e4ss einem kasachischen Rechtshilfegesuch aus dem Jahr 2012 soll sich das Ehepaar Krapunow \u00fcber 70 Grundst\u00fccke und Geb\u00e4ude unrechtm\u00e4ssig angeeignet und mit dem Verkauf dieser Immobilien einen Profit von \u00fcber 250 Millionen Dollar erzielt haben. Die Familie Krapunow sieht sich als Opfer eines Rachefeldzugs des Nasarbajew-Clans.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 20px;\">Monatshonorare von 30\u2019000 Dollar?<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Nach Ansicht von Borer ist sein Einsatz f\u00fcr einen autorit\u00e4ren Staat wie Kasachstan aus ethischer Sicht nicht verwerflich, auch nicht in seiner Stellung als fr\u00fcherer Botschafter der Schweiz. Es sei falsch, den rechtm\u00e4ssigen Aktivit\u00e4ten der kasachischen Justiz jegliche Legitimit\u00e4t abzusprechen. Zudem d\u00fcrfe nicht vergessen werden, dass das Verm\u00f6gen der Familie Krapunow auf Kosten des kasachischen Volkes erworben worden sei. Kasachstan befinde sich auf gutem Weg zu einem modernen Staat. \u00abEs geht aber nicht nur um die Interessen von Kasachstan, sondern auch um den Ruf der Schweiz\u00bb, sagt Borer. Die Schweiz d\u00fcrfe nicht l\u00e4nger ein Hort f\u00fcr Kriminelle aus aller Welt sein.<\/p>\n<p>Borer, der gem\u00e4ss NZZ Monatshonorare von 30\u2019000 Dollar erh\u00e4lt, soll den kasachischen Beh\u00f6rden unter anderem Insiderinformationen aus der Schweizer Bundesanwaltschaft in Aussicht gestellt haben. In seiner anwaltschaftlichen T\u00e4tigkeit habe er zwar mit den Justizbeh\u00f6rden zu tun gehabt, sagt Borer, weil er den kasachischen Beh\u00f6rden bei ihren Rechtshilfeersuchen behilflich gewesen sei. Seine Kontakte mit den Beh\u00f6rden h\u00e4tten sich immer im normalen und legalen Rahmen bewegt.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 20px;\">Spionagevorw\u00fcrfe von Krapunow<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Kasachstan und Krapunow liefern sich seit nunmehr f\u00fcnf Jahren einen kostspieligen Streit, in dem sich zahlreiche Anw\u00e4lte von renommierten Kanzleien sowie verschiedene Berater und Spin-Doktoren bek\u00e4mpfen. Gelegentlich kommen auch unzimperliche und illegale Methoden zum Einsatz, wenn die Aussagen von Beteiligten stimmen. Gem\u00e4ss eigenen Angaben f\u00fchlt sich die Familie Krapunow durch den kasachischen Geheimdienst bedroht und verfolgt.<\/p>\n<p>Bei der Bundesanwaltschaft ist seit dem vergangenen Jahr ein Strafverfahren wegen ausl\u00e4ndischer Computerspionage h\u00e4ngig. Der Grund daf\u00fcr waren Strafanzeigen von Krapunow sowie einem seiner Anw\u00e4lte und seinem Kommunikationsberater Marc Comina. \u00abIch bin gehackt worden\u00bb, sagt der fr\u00fchere Bundeshausjournalist, der sich seit ein paar Jahren um die \u00d6ffentlichkeitsarbeit von Krapunow k\u00fcmmert.<\/p>\n<p><i>Quelle:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/es-geht-dabei-auch-um-den-ruf-der-schweiz\/story\/11346167\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">TagesAnzeiger.ch<\/a><\/i><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/tagesanzeiger_22janvier2015_p4.pdf\">Original-Publikation im PDF-Format<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ex-Botschafter Thomas Borer steht inmitten einer erbitterten Fehde zwischen einem kasachischen Ex-Minister im Genfer Exil und dem Staat Kasachstan. 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