{"id":2172,"date":"2013-05-10T16:30:05","date_gmt":"2013-05-10T14:30:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/?p=2172"},"modified":"2021-08-12T20:18:49","modified_gmt":"2021-08-12T18:18:49","slug":"mein-neffe-ist-gestorben-und-meine-verwandten-hat-man-festzunehmen-versucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/mein-neffe-ist-gestorben-und-meine-verwandten-hat-man-festzunehmen-versucht\/","title":{"rendered":"\u201cMein Neffe ist gestorben und meine Verwandten hat man festzunehmen versucht!\u201d"},"content":{"rendered":"<p>Am neunten April diesen Jahres rief mich meine Schwester aus dem \u00f6stlichen Kasachstan an. Sie teilte mir mit, dass mein 1976 geborener Neffe Dmitrii Vladimirovich Striapchev unter unbekannten Umst\u00e4nden ums Leben gekommen sei. Er war der Sohn unserer leiblichen Schwester Anna, die im Februar 2009 gestorben ist.<\/p>\n<p>Dmitrii hat im Jahr 2003 ein Studium des Elektroingenieurwesen am Institut f\u00fcr Energiewirtschaft und Kommunikationstechnik in Almaty abgeschlossen. Er war mit Irina Striapcheva verheiratet und hatte mit ihr zwei Kinder \u2013 Julia, geboren im Jahr 2000, und Barbara, im Jahr 2011; sie lebten in Ust-Kamenogorsk.<\/p>\n<p>Dmitrii arbeitete f\u00fcr den kasachischen Stromnetzbetreiber, der von Timur Kulibaev, dem Schwiegersohn des Pr\u00e4sidenten Kasachstans, kontrolliert wird. Dmitrii wurde gut bezahlt; seine Frau arbeitete in der Verwaltung eines Fitness- und Rehabilitationszentrums. Aber auf einmal wurde Dmitrii ohne Erkl\u00e4rung von Gr\u00fcnden aus der Firma entlassen. Man sagte ihm einfach, dass er ein Verwandter von Khrapunov sei, und dass dies schon ausreiche.<\/p>\n<p>Mich rief jemand an, der damals als Direktor der Firma arbeitete, und sagte, dass er die Anweisung bekommen habe, meinen Neffen zu entlassen, und dass er nichts machen k\u00f6nne. Mittlerweile arbeitet diese Person auch nicht mehr in der Firma und hat Kasachstan ganz verlassen. Es steht zu vermuten, dass er, ein ausgezeichneter Fachmann, aufgrund des Telefongespr\u00e4chs mit mir aus seiner Position entlassen wurde. So wurde Dmitrii arbeitslos. Seine Frau Irina war schon fr\u00fcher aus den gleichen Gr\u00fcnden entlassen worden, so dass die Familie ohne Lebensunterhalt dastand.<\/p>\n<p>Um seine Familie zu ern\u00e4hren, begann Dmitrii damit, seinem Vater zu helfen, der schon viele Jahre Unternehmer in der Privatwirtschaft war. Am achten April kam Dmitrii nach Hause und machte sich wieder auf den Weg, um irgendjemanden zu treffen, aber er versprach in anderthalb Stunden wieder zur\u00fcck nach Hause zu kommen. Aber er kam nicht nach Hause zur\u00fcck und war auch auf dem Mobiltelefon nicht zu erreichen. Seine Frau rief alle Verwandten und Bekannten an, aber ohne jeden Erfolg.<\/p>\n<p>Und am n\u00e4chsten Tag rief der Wachmann einer Gemeinschaftsgarage an, der Dmitrii in der Garage, die ihm geh\u00f6rte, ohne Lebenszeichen gefunden hatte. Die best\u00fcrzte Irina eilte zu der Garage. Dort waren schon Mitarbeiter der Polizei, die darum baten den Leichnam des Ehemannes zu identifizieren, und die ihn in die Leichenhalle brachten, um eine gerichtsmedizinische Untersuchung zur Ermittlung der Todesursache durchzuf\u00fchren. Auf Dmitriis Mobiltelefon war eine nicht abgeschickte SMS: \u201cIch wollte nur Gutes tun.\u201d<\/p>\n<p>Aber den Umst\u00e4nden nach zu urteilen, wollte Dmitrii eindeutig nicht sterben. Er hatte Zukunftspl\u00e4ne. Er sollte sich am Samstag, dem 13. April, mit seinem Vater treffen. Au\u00dferdem hatte Dmitrii mit dem Direktor einer Firma abgesprochen, dass er am Montag, den 15. April, eine neue Arbeit beginnen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Am 10. April 2013 bekam Irina eine Bescheinigung \u00fcber den Tod ihres Mannes, in der keine Todesursache angegeben war. Auf alle Fragen von Irina antwortete man ihr, dass die Bescheinigung auf einem Standardformular ausgestellt wurde. Dar\u00fcber hinaus konnte sie nichts erreichen.<\/p>\n<p>Am 11. April 2013 wurde Dmitrii beerdigt. Im Mai w\u00e4re er 37 Jahr alt geworden\u2026<\/p>\n<p>In dieser Geschichte bleiben viele Fragen offen. Vor allem, wieso man den Verwandten nicht die Schlussfolgerungen der gerichtsmedizinischen Begutachtung gegeben hat. Warum wurden keine strafrechtlichen Ermittungen hinsichtlich des Todes von Dmitrii Vladimirovich Striaepchev aufgenommen? Warum wurden die Personen nicht befragt, mit denen Dmitrii an seinem Todestag und am Vortag gesprochen hatte? Warum wurde nicht untersucht, wer die SMS verfasst hatte \u2013 Dmitrii selbst oder jemand anders? Warum wurde die Person, mit der Dmitrii sich hatte treffen sollen, nicht identifiziert? Warum wurde der K\u00f6rper des Verstorbenen nicht auf Spuren eines gewaltsamen Todes untersucht?<\/p>\n<p>Diese Fragen zu beantworten ist umso dringender, nachdem ein Versucht unternommen worden ist, nahe Verwandte, die zur Beerdigung von Dmitrii gekommen waren, illegalerweise in Kasachstan festzuhalten. Auf die legitimen Fragen: Wieso versuchen Sie die Ausreise zu verhindern? Aufgrund von wessen Anweisung versuchen Sie eine illegale Festnahme durchzuf\u00fchren? gab niemand am Flughafen eine \u00fcberzeugende Antwort. Die Vertreter aller Beh\u00f6rden, die im Einklang mit kasachischen Gesetzen das Recht haben, die Bewegungsfreiheit einzelner Kategorien von B\u00fcrgern einzuschr\u00e4nken, kamen zu der Schlussfolgerung, dass Sie der Ausreise nicht im Weg stehen w\u00fcrden. Das wurde gesagt, damit man keine \u00fcberfl\u00fcssigen Fragen stellte. Nur dank der Hartn\u00e4ckigkeit der Anw\u00e4lte gelang es, diese Situation irgendwie zu regeln.<\/p>\n<p>Die M\u00e4chtigen in Kasachstan hofften anscheinend, dass ich heimlich zur Beerdigung meines Neffen fahre, und dass es ihnen gelingen w\u00fcrde, mich festzuhalten. Aber das realistischere Ziel war vermutlich, meine nahen Verwandten als Geiseln festzuhalten, und mich dann dazu zu erpressen, freiwillig nach Kasachstan zur\u00fcckzukehren. Ich selbst kann mir all diese Ereignisse nur so erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Viktor KHRAPUNOV<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am neunten April diesen Jahres rief mich meine Schwester aus dem \u00f6stlichen Kasachstan an. 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