{"id":2058,"date":"2012-10-04T20:21:06","date_gmt":"2012-10-04T18:21:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/?p=2058"},"modified":"2021-08-11T17:32:34","modified_gmt":"2021-08-11T15:32:34","slug":"die-morde-waren-ein-zeichen-dass-wir-die-naechsten-sein-koennten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/die-morde-waren-ein-zeichen-dass-wir-die-naechsten-sein-koennten\/","title":{"rendered":"\u00abDie Morde waren ein Zeichen, dass wir die N\u00e4chsten sein k\u00f6nnten\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Der im Genfer Exil lebende Viktor Khrapunov, einst ein hoher Politiker in Kasachstan, wird von Interpol gesucht. Im Interview \u00e4ussert er sich zum Vorwurf der Wirtschaftskriminalit\u00e4t, zum Reichtum seiner Familie und zum Streit mit Kasachstans Diktator.<\/p>\n<p><strong>Herr Khrapunov, Sie werden von Interpol gesucht \u2013 wegen Geldw\u00e4scherei, Betrugs und organisierter Kriminalit\u00e4t. Was sagen Sie zu Ihrer Verteidigung?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Vorw\u00fcrfe sind konstruiert. Solche Machenschaften sind typisch f\u00fcr Pr\u00e4sident Nursultan Nasarbajew, der in Kasachstan eine Diktatur installiert hat. Er kontrolliert Polizei und Justiz. Nasarbajew hat eine Kampagne gegen mich gestartet, weil er mich als politischen Feind sieht. Mit der Interpol-Fahndung will er mich einsch\u00fcchtern und zum Schweigen bringen. Er m\u00f6chte meine Bewegungsfreiheit einschr\u00e4nken, um meinen Umgang mit Oppositionellen im Ausland zu behindern. Nasarbajew f\u00fcrchtet, dass im Ausland eine organisierte Opposition gegen sein Regime entsteht.<\/p>\n<p><strong>Lassen Sie uns zun\u00e4chst \u00fcber Ihre Finanzen sprechen. Die Zeitschrift \u00abBilanz\u00bb hat das Verm\u00f6gen Ihrer Familie auf 300 bis 400 Millionen Franken gesch\u00e4tzt. Woher kommt dieses viele Geld?<\/strong><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte an dieser Stelle alle Ger\u00fcchte zerschlagen. Was die \u00abBilanz\u00bb geschrieben hat, ist erheblich \u00fcbertrieben. Als B\u00fcrgermeister der Stadt Almaty oder als Minister habe ich mir keinen besonderen Wohlstand geschaffen. Ich hatte kein Konto bei einer Schweizer Bank, und ich habe auch heute keines. Das Verm\u00f6gen der Familie stammt in erster Linie von meiner Frau, die in Kasachstan eine erfolgreiche Unternehmerin war.\u00a0<em>(Leila Khrapunova gr\u00fcndete den ersten privaten TV-Sender Kasachstans, sp\u00e4ter f\u00fchrte sie Unternehmen im Immobilien-, Medien- und Luxusartikel-Business, Anm. der Redaktion.)<\/em>\u00a0Meine zwei \u00e4lteren Kinder leben heute v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von uns \u2013 auch in finanzieller Hinsicht. Mein Sohn Iliyas zum Beispiel ist ein erfolgreicher Immobilienunternehmer. Weder ich noch meine Frau sind in den Firmen von Iliyas t\u00e4tig. Ich betone nochmals: Wir geh\u00f6ren nicht auf die Reichenliste der \u00abBilanz\u00bb.<\/p>\n<p><strong>Wie gross ist denn das Verm\u00f6gen der Familie Khrapunov?<\/strong><\/p>\n<p>Es besteht keine Notwendigkeit, einen Betrag zu nennen.<\/p>\n<p><strong>Aber Sie sind sehr reich.<\/strong><\/p>\n<p>Uns geht es gut, aber wir sind nicht sehr reich. Im Vergleich mit dem riesigen Verm\u00f6gen von Nasarbajew sind wir sogar arm. Wir k\u00e4mpfen gegen ihn, obwohl wir nicht \u00fcber gleich lange Spiesse verf\u00fcgen.<\/p>\n<p><strong>Aufgrund Ihres bestimmt stattlichen Verm\u00f6gens und Ihrer Herkunft aus einem korrupten Land wie Kasachstan m\u00fcssen Sie sich unangenehme Fragen stellen lassen. L\u00e4uft in der Schweiz ein Strafverfahren gegen Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte nochmals betonen, dass das Verm\u00f6gen meiner Frau bei weitem nicht dem entspricht, was die kasachischen Medien kolportieren. Die Tatsache, dass Schweizer Zeitungen dies \u00fcbernommen haben, \u00e4ndert daran nichts. In der Schweiz hatten wir nie Probleme mit den Beh\u00f6rden. Es gab nie irgendwelche Strafverfahren, auch jetzt nicht. Ich bin \u00fcberzeugt, dass niemals ein Strafverfahren er\u00f6ffnet werden wird. Aus einem einfachen Grund: Ich habe nie ein Bankkonto in der Schweiz gehabt. Und ich gehe fest davon aus, dass ich niemals nach Kasachstan ausgeliefert werde. Die Schweizer Beh\u00f6rden wissen sehr wohl, dass die Vorw\u00fcrfe politisch motiviert und konstruiert sind.<\/p>\n<p><strong>Sie liefern sich von Genf aus eine politische und pers\u00f6nliche Fehde mit dem Nasarbajew-Clan. Sie geh\u00f6rten allerdings viele Jahre selbst der politischen Elite Kasachstans an. Wie ist es zum Streit mit Nasarbajew gekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Als ich B\u00fcrgermeister von Almaty war, h\u00e4uften sich die Konflikte mit dem Nasarbajew-Clan. So weigerte ich mich, die Kontrolle des Energieunternehmens Almaty Power Consolidated, das gegen zwei Milliarden Dollar wert war, dem Schwiegersohn des Pr\u00e4sidenten zu \u00fcberlassen. Es gab viele andere Beispiele. Im Jahr 2004 wurde ich als B\u00fcrgermeister von Almaty abgesetzt und auf den Posten des Gouverneurs von Ost-Kasachstan versetzt. Auch meine Frau Leila hatte als Unternehmerin l\u00e4ngst Probleme mit dem Nasarbajew-Clan. Schliesslich wurde sie dazu gezwungen, ihre Unternehmen zu verkaufen. Nasarbajew-Leute besitzen heute noch Firmen, die meiner Frau geh\u00f6rten.<\/p>\n<p><strong>2007 holte sie Nasarbajew zum zweiten Mal in die Regierung \u2013 diesmal als Minister f\u00fcr Katastrophenschutz, nachdem sie in den Neunzigerjahren Energieminister gewesen waren. Sie haben sehr lange im Nasarbajew-System mitgemacht.<\/strong><\/p>\n<p>Das stimmt nicht. Ich hatte schon mehrere Jahre in der Verwaltung der Stadt Almaty gearbeitet, bevor Nasarbajew die Macht ergriff. Ich war Berufspolitiker, nie Diener des Nasarbajew-Clans. Seinen Kindern habe ich nie Gef\u00e4lligkeiten gew\u00e4hrt. Die Nasarbajew-Leute habe ich immer auf Distanz gehalten. Mit der Zeit sp\u00fcrten meine Frau und ich, dass wir nicht l\u00e4nger in Kasachstan bleiben konnten. Ich hatte zwar keine Angst um mich, aber Angst um meine Familie.<\/p>\n<p><strong>Was ist denn passiert?<\/strong><\/p>\n<p>Nasarbajew begann mit immer gewaltt\u00e4tigeren Methoden, die st\u00e4rker werdende Opposition zu unterdr\u00fccken. Politische Gegner liess er sogar physisch liquidieren. Der Oppositionelle Zamanbek Nurkadilow, mein Vorg\u00e4nger im Amt des B\u00fcrgermeisters von Almaty, wurde ermordet, nachdem er Nasarbajew zum R\u00fccktritt aufgefordert hatte. Mit Altynbek Sarsanbajew wurde ein weiterer prominenter Oppositionspolitiker umgebracht. Nurkadilow und Sarsanbajew wussten sehr viel \u00fcber das System der illegalen Bereicherung des Nasarbajew-Clans. Ich war und bin nat\u00fcrlich auch ein Informationstr\u00e4ger. Die Morde waren ein Zeichen, dass wir die N\u00e4chsten sein k\u00f6nnten \u2013 entweder ich oder meine Frau. Uns war klar geworden, dass wir Kasachstan verlassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie Beweise, dass hinter den Morden an Nurkadilow und Sarsanbajew der Nasarbajew-Clan steckt?<\/strong><\/p>\n<p>Zamanbek Nurkadilow zum Beispiel wurde w\u00e4hrend des Wahlkampfs 2005 tot aufgefunden \u2013 mit zwei Kugeln im Oberk\u00f6rper und einer Kugel im Kopf. Offiziell hiess es, dass es sich um einen Suizid handle. Das spricht doch f\u00fcr sich.<\/p>\n<p><strong>Vor f\u00fcnf Jahren sind Sie in die Schweiz gefl\u00fcchtet. Warum haben Sie sich in Genf niedergelassen?<\/strong><\/p>\n<p>Unsere Familie ist seit vielen Jahren in der Schweiz pr\u00e4sent. Meine Kinder haben ab den Neunzigerjahren ihre Ausbildung in Genf absolviert. Als meine Frau noch als Gesch\u00e4ftsfrau t\u00e4tig war, hatte sie enge Kontakte mit Schweizer Partnern f\u00fcr verschiedene Projekte in Kasachstan. Damit habe ich fr\u00fch das politische System der Schweiz kennen und sch\u00e4tzen gelernt.<\/p>\n<p><strong>Sie haben aus Angst um Ihre Familie Kasachstan verlassen. F\u00fchlen Sie sich in der Schweiz sicher?<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten zwei Jahren sind immer wieder Dinge passiert, die Anlass zur Besorgnis geben. Beispielsweise haben sich ehemalige Mitarbeiter des kasachischen Geheimdienstes telefonisch bei mir gemeldet und mich gewarnt, dass Personen nach Genf reisen werden, wo sie sich mit meiner Familie besch\u00e4ftigen werden. Immer wieder haben wir beobachtet, dass wir von Autos verfolgt werden. Unbekannte haben meiner Schwiegertochter ein GPS-Ger\u00e4t ans Fahrzeug montiert, um ihre Bewegungen zu verfolgen. Zudem wurde sie fotografiert und gefilmt. Meine Frau wurde in London und Dubai von mutmasslichen Privatdetektiven beschattet und kontaktiert. Und so weiter. Das alles gibt uns das Gef\u00fchl, bedroht zu sein.<\/p>\n<p><strong>Wie gehen Sie damit um?<\/strong><\/p>\n<p>Im Alltag sind wir sehr aufmerksam und beobachten genau, was um uns herum passiert. Zudem habe ich meine Besorgnis den Schweizer Beh\u00f6rden mitgeteilt. Und ich habe einen Antrag auf politisches Asyl in der Schweiz gestellt.<\/p>\n<p><strong>Wie schlimm ist es f\u00fcr Sie, dass Sie m\u00f6glicherweise nie mehr nach Kasachstan reisen k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Schweiz ist unser Zuhause, unsere zweite Heimat. Die Situation in Kasachstan schmerzt uns, das ist klar. Es ist schlimm, dass wir unsere Verwandten in Kasachstan nicht sehen k\u00f6nnen. Schlimm ist auch, dass es in Kasachstan Menschen gibt, die wegen uns leiden m\u00fcssen. Von Genf aus k\u00e4mpfen wir, so gut wir k\u00f6nnen, f\u00fcr ein besseres, demokratisches Kasachstan. Wir scheuen uns nicht, das Nasarbajew-Regime zu kritisieren und die Wahrheit zu sagen. Nasarbajew ist ein skrupelloser Diktator, dem es in erster Linie um die Bereicherung seines Clans geht. Und wir werden alles daran setzen, dass wir eines Tages nach Kasachstan zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/die-morde-waren-ein-zeichen-dass-wir-die-naechsten-sein-koennten\/story\/31388054\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tagen-Aizenger \u2013 \u00abDie Morde waren ein Zeichen, dass wir die N\u00e4chsten sein k\u00f6nnten\u00bb<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der im Genfer Exil lebende Viktor Khrapunov, einst ein hoher Politiker in Kasachstan, wird von Interpol gesucht. Im Interview \u00e4ussert er sich zum Vorwurf der Wirtschaftskriminalit\u00e4t, zum Reichtum<span class=\"excerpt-hellip\"> [\u2026]<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":199,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[20],"tags":[98,91,95,96],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2058"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2058"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2058\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2062,"href":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2058\/revisions\/2062"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/199"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2058"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2058"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.viktorkhrapunov.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2058"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}