Die Jahre an der Spitze der Stadtverwaltung von Almaty

Am 15. Juni 1997 rief Noursoultan Nazarbajew Viktor Khrapunov zu sich. Nachdem er ihm für seine Arbeit der letzten drei Jahre als Leiter des Ministeriums für Energie gedankt hatte, schlug er ihm vor, Bürgermeister der Hauptstadt des Landes zu werden. Wie es die Praxis in einem Land vorsieht, in dem alles vom diktatorischen Präsidenten bestimmt wird, übernahm Viktor Khrapunov seine neue Funktion bereits am nächsten Tag.

Die Stadt, deren Belange er zukünftig regeln würde, befand sich in einem zunehmend desolaten Zustand:

Leere öffentliche Kassen. Der Stadt fehlten die notwendigen finanziellen Mittel für die Instandhaltung von Straßen, Parks, Grünflächen, Flüssen, öffentliche Beleuchtung, u.v.m. Die Gehälter der Beschäftigten im öffentlichen Dienst wurden mit einer Verspätung von sechs bis acht Monaten gezahlt. Das Gleiche galt für die Renten der Pensionäre und Stipendien der Studenten. Wegen der knappen Finanzen befanden sich Schulen, Krankenhäuser und Kulturstätten im Leerlauf.

Chaotische Stadtplanung. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus war das bestehende Straßenverkehrsnetz aufgrund der raschen Zunahme des Privatverkehrs bald überlastet. Der Stadt fehlte ein Gesamtkonzept, Überlegungen zur Gestaltung des Stadtgebiets und zur Mobilität der Einwohner, sowie architektonische Standards, um den fortschreitenden Verfall des gesamten architektonischen Erbes aufzuhalten.

Stagnation des industriellen Sektors. In Folge des Scheiterns der Sowjetunion, brachen in wenigen Jahren ganze Teile der kasachischen Wirtschaft zusammen. 200.000 Menschen verloren ihre Arbeitsplätze. Mit ihren Angehörigen (die durchschnittliche Familiengröße zu jener Zeit betrug 3 bis 4 Personen) machte das eine Zahl von fast 750.000 Personen aus, die auf sich selbst gestellt und unter größten Entbehrungen lebten.

Verlassene Baugelände. In der Stadt gab es eine Vielzahl von Gebäuden, deren Bautätigkeit unterbrochen wurde. Die Gesamtfläche dieser verlassenen Baugelände betrug etwa 850.000 m2.

Stromausfälle. Um mit der Stromknappheit fertig zu werden, war ein System der planmäßigen Stromausfälle in Kraft, bei dem die Stadtviertel im Wechsel von der Stromversorgung abgeschnitten wurden. Nachts waren ganze Stadtteile für Stunden stockfinster. Die öffentliche Beleuchtung von Straßen und Parks funktionierte nur zwei Stunden pro Nacht.

Gasknappheit. Die Gasversorgung der Haushalte war nicht gesichert. Regelmäßige Gasausfälle ließen ganze Stadtviertel ohne Heizung. Die veraltete Infrastruktur der Gasverteilung verursachte häufige Explosionen in Gebäuden, bei denen Menschen ums Leben kamen.

Stadtgürtel mit extremer Armut. An den östlichen und westlichen Außengrenzen der Stadt wurden Zeltdörfer in der Art von Favelas errichtet. Zehntausende von Menschen lebten in diesen Lagern, die sich auf dem Gebiet der Region Almaty befanden und von deren Behörden verwaltet wurden.

Zornige Bevölkerung. Die Unzufriedenheit der Einwohner drückte sich in Demonstrationen tausender Rentner, Lehrer und Ärzte aus, die ihrer Wut auf die Behörden Luft machten. Sie besetzten Plätze in der Stadt und blockierten absichtlich den privaten und öffentlichen Nahverkehr, womit sie der bereits dem Ersticken nahen Innenstadt den Rest gaben.

Unkontrollierter Vertrieb von Treibstoff. Auf den Straßen von Almaty begegnete man etwa 400 nicht-registrierte Tankstellen für Treibstoffe. Diese mobilen Container waren hoch entzündlich. Manipuliert und mit toxischen Chemikalien verdünnt, war dieser Kraftstoff auch ein Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung. Diese Aktivitäten waren sehr lukrativ: Die Kraftstoff-Mafia verkaufte den Liter zum zehnfachen Einkaufspreis an die Bevölkerung weiter.

Der Einzelhandel war der Mafia ausgeliefert. Das Ende des Kommunismus setzte einen Schlusspunkt unter die planmäßige Belieferung der Stadt mit Lebensmitteln und Konsumgütern des täglichen Bedarfs. Kleine Einzelhandelsgeschäfte ersetzten den Handel des Staates, zunächst völlig chaotisch. 18.000 Kioske wurden auf den Bürgersteigen errichtet. Jeder von ihnen gewährleistete den Lebensunterhalt von durchschnittlich zehn Personen (insgesamt 180.000 Menschen). Die Kioske waren schmutzig, unhygienisch, entstellten die Stadt und wurden schnell zu einer Brutstätte der Kleinkriminalität. Die Kioskbesitzer wurden Opfer von Erpressung durch lokale, mehr oder weniger in Banden organisierte Kriminelle. Es verging kaum ein Tag, ohne dass die Miliz einschreiten musste. Die Mehrzahl der in Kasachstan verübten Verbrechen fanden in der Hauptstadt statt.

Flächendeckende Steuerhinterziehung. 1997 gab es in der Stadt mehr als 110 illegale Märkte, die sich jeder bürokratischen oder steuerlichen Kontrolle entzogen. Diese Großmärkte, auf denen es von Autos über Möbel, Haushaltsgeräte, Kleidung bis hin zu Nahrungsmitteln alles gab, erzielten Umsätze in Milliardenhöhe (Dollar) und warfen jährlich Gewinne von hunderten Millionen Dollar ab, alles komplett schwarz erwirtschaftet.

Alles wurde noch schlimmer, als der Stadt im Dezember 1997 der Status als Hauptstadt aberkannt wurde. Zu der wirtschaftlichen und sozialen Misere kam noch eine allgemeine depressive Stimmung der Bevölkerung hinzu, die überzeugt war, dass sich die Lebensbedingungen nur noch weiter verschlechtern könnten. Außerdem schwächte die Verlegung der Hauptstadt das bereits geschwächte städtische Haushaltsbudget noch weiter, da Präsident Nazarbajew die großen nationalen Unternehmen in sein Gefolge übernahm, die die Hauptsteuerzahler der Stadt gewesen waren. Im Jahr 1998 belief sich das Budget der Stadt Almaty auf lediglich 165 Millionen Dollar (bei 1,5 Millionen Einwohnern).

Kurz gesagt, Viktor Khrapunov übernahm bei seinem Amtsantritt eine abgewrackte Stadt. Schon bald umgab er sich mit einem Team von Spezialisten, mit denen er die Situation analysierte und und einen Sanierungsplan mit 35 Themenpunkten entwickelte. Die ersten dringenden Maßnahmen wurden mit Hilfe von Darlehen finanziert. Parallel dazu trafen der Bürgermeister und seine Mitarbeiter die strategische Entscheidung, sich auf das Wirtschaftswachstum zu konzentrieren, um die Stadtkasse wieder aufzufüllen. Diese Strategie machte sich bezahlt. 1997 zählte die Stadt 7400 kleine mittelständische Unternehmen (KMU); 2004, als Viktor Khrapunov seinen Posten verließ, waren es 148.000. Diese rasante Zunahme ist die Basis für das Aufblühen der Stadt. Die Steuerabgaben dieser Unternehmen gestattete die regelmäßige Erhöhung des städtischen Haushalts, der sich innerhalb von sieben Jahren mehr als verdoppelten und 2004 rund 360 Millionen Dollar erreichten.

Innerhalb weniger Jahre erholte sich Almaty, sanierte seine Finanzen und überwand die Krise. Die Stadt wurde zum wichtigsten Steuerzahler des staatlichen Haushaltsbudgets. 2004 erreichte dieser Beitrag eine Rekordhöhe von 1,65 Mrd. Dollar. Dieser Erfolg war ohne Öl, ohne natürliche Ressourcen, allein aufgrund der Dynamik der kleinen mittelständischen Unternehmen (KMU) von Almaty möglich.

Die Explosion der wirtschaftlich kontrollierten und steuerlich kontrollierbaren Aktivitäten war die Folge einer regulatorischen Änderung, die auf den ersten Blick trivial erscheinen mag. Vor 1997 war es verboten, die Nutzungsweise einer Wohnung oder eines Büros zu ändern, um darin ein Geschäft einzurichten. Viktor Khrapunov beschloss, die Umwandlung von Erdgeschosswohnungen in kommerzielle Nutzflächen zu ermöglichen. Gleichzeitig erließ er eine radikale, aber sehr unbeliebte Maßnahme: die Kioske wurden verboten. Als sofortige Folge wurden die geschäftlichen Tätigkeiten der Stadt von den Bürgersteigen in die Gebäude verlegt, wo die kommunalen Behörden auf die Einhaltung der gewerberechtlichen Vorschriften, Steuern und Abgaben pochen konnten. Als Viktor Khrapunov 2004 aus dem Bürgermeisteramt schied, waren die Kioske praktisch aus dem Stadtbild von Almaty verschwunden.

Nach seinem Amtsantritt nahm der Bürgermeister auch eine andere Quelle von Kriminalität und Betrug entschlossen in Angriff: die Benzin-Mafia. Er ließ den wilden Verkauf von Treibstoff verbieten. Er überschrieb ausländischen Investoren (Mobil, Texaco ou Lukoil) Grundstücke, damit sie dort richtige Tankstellen bauen konnten, die modern, sicher, geregelt und von der Stadt beaufsichtigt waren. Insgesamt wurden 140 solcher Tankstellen errichtet. Sie ersetzten die 400 illegalen Stationen, die allesamt abgebaut wurden. Bulat Nazarbajew, der Bruder des Präsidenten, der einen irrsinnigen Profit daraus gezogen hatte, leistete energischen Widerstand gegen ihre Abschaffung.

Um ihre Ziele zu erreichen, mussten der Bürgermeister und sein Team Durchhaltevermögen und Mut beweisen. Viktor Khrapunov wurde stark unter Druck gesetzt und bedroht. Während seiner letzten beiden Amtsjahre stand er unter dem Schutz von fünf Sicherheitsbeamten, die damit beauftragt waren, seine Sicherheit und die seiner Familie ständig zu gewährleisten. Später reduziert der Bürgermeister selber die Sicherheitsvorkehrungen: Er wurde bei all seinen Unternehmungen nur noch von einem vertrauenswürdigen Fahrer begleitet.

Viktor Khrapunov bekämpfte auch die illegalen Märkte. Während seiner Amtszeit gelang es ihm, 34 davon zu schließen. Die finanziellen Gewinne und der Widerstand waren so groß, dass er den Kampf noch einige Jahre hätte weiterführen müssen, um das Phänomen vollständig auszurotten. Die Schlacht war umso schwieriger zu gewinnen, als diese Basare einflussreichen Personen gehörten, darunter mehrere nahe Verwandte von Präsident Nazarbajew persönlich: sein Bruder, seine Schwester, seine Schwiegersöhne, usw. Aber der Bürgermeister ließ sich nicht einschüchtern. Er wollte, dass das Gesetz für alle gleichermaßen gilt. So bewies er Unnachgiebigkeit und ließ einen Basar schließen, der illegal vom Bruder des Präsidenten, Bulat Nazarbajew, auf 4 Hektar städtischem Territorium errichtet worden war. Er ließ den Zaun abreißen und die 400 Container auf die kommunale Müllhalde transportieren. Diese Aktion, die von der Bevölkerung begrüßt wurde, brachte Viktor Khrapunov einen wütenden persönlichen Telefonanruf des Präsidenten , der von seinem Bruder alarmiert worden war, ein. Aber der Bürgermeister gab nicht nach. Er überzeugte den Präsidenten, dass das Problem einzig in dem rechtswidrigen Verhalten seines Bruders läge.

Was die Stadtplanung betrifft, packte der Bürgermeister das Übel an der Wurzel, indem er einen Plan für die Stadt ausarbeitete, um die Entwicklung von Immobilien zu steuern und den Verkehrsfluss zu kanalisieren. Dieser Plan sah den Bau von 19 Straßenkreuzungen vor, welche die neuralgischen Punkte der Stadt entlasten sollten. Die ersten beiden Bauprojekte wurden schnell begonnen. Innerhalb von 7 Jahren ließ der Bürgermeister rund 14 Parkplätze mit 2000 Stellplätzen bauen. Dutzende Straßen und Alleen wurden gebaut, wieder aufgebaut oder saniert. Angesichts der Verstopfung der wichtigsten Verkehrsadern, wurde beschlossen eine Umgehungsstraße um die Stadt zu bauen, um den Durchgangsverkehr (damals fast 60.000 Autos pro Tag) umzuleiten. Das Projekt der U-Bahn von Almaty wurde mit einem Budget von 800 Millionen Dollar gestartet, gebunden an eine Konzession über 25 Jahre bei der englischen Depfa Bank, bis zur Amortisierung der Investition. Das Projekt wurde jedoch vom Nachfolger Viktor Khrapunovs aufgegeben.

Die Gestaltung und der Ausbau des Gebietes warf auch Probleme mit dem äußeren Stadtring auf, der unter die Verantwortlichkeit der Behörden der Region Almaty fiel, die mit den Baugenehmigungen sehr locker umgingen. Zahlreiche Privatvillen waren dort ohne Zusammenhang oder Kontrolle gebaut worden. Viktor Khrapunov erreichte bei der kasachischen Regierung die Übernahme einer Anordnung, durch die ein Streifen von 20 km Breite um die Stadt festgelegt wurde, in welchem die Region nicht ohne die Zustimmung der Stadt und der Architekten intervenieren durfte. Der Bürgermeister sprach sich auch gegen den Bau zweier Privatvillen auf günstig gelegenen Grundstücken im Stadtzentrum aus, die bereits an Baufirmen verkauft waren. An ihre Stelle ließ er eine neue grüne Lunge für die Stadt errichten, mit einem öffentlichen Garten namens „21. Jahrhundert“ und einem Golfplatz.

Mit der Ankunft Viktor Khrapunovs im Rathaus wurde auch der Wohnungsbau wiederaufgenommen. Der Bürgermeister ließ alle Bauvorhaben zu Ende bringen, die abgebrochen worden waren und die Stadt verunstalteten. Bei seinem Abschied gab es kein einziges mehr. Er befürwortete den Bau von Wohnungen zum Verkauf an Eigentümer (PPE) auf 29 Hektar Fläche in einer ökologisch sauberen Nachbarschaft, die durch Ausschreibungen vergeben wurden. Ein neues Wohnviertel mit einem Potential von 15.000 Bewohnern entstand. Die Stadt ließ Unterkünfte für die am meisten Benachteiligten bauen (Kriegsveteranen, Waisen, Renter). Besonderes Augenmerk wurde auf die Gärten und Denkmäler der Stadt gelegt, um ihnen wieder einen eleganteren und homogeneren Stil zu verleihen. Es wurden Blumen auf 40.000 m2 Beeten, Terrassen und Gärten gepflanzt.

Der Sanierungsplan, bestehend aus 35 Programmen erlaubte rasche Verbesserungen auf vielen weiteren Gebieten:

Zeltstädte an der äußeren Stadtgrenze. 1989 hatten Obdachlose überwiegend indigener Herkunft die Gebiete der öffentlichen Hand besetzt. Diese Leute handelten illegal und waren bereit, den Behörden Widerstand entgegenzusetzen. Die kasachische Regierung, die sich der Komplexität des Problems bewusst war, entschied, diese Gebiete, auf denen Zehntausende Menschen unter unhygienischen Bedingungen lebten, in die Verantwortlichkeit der Stadt Almaty zu übergeben. Viktor Khrapunov stellte dort die Errichtung einer technischen Infrastruktur sicher und ließ Straßen, Schulen, Krankenhäuser und öffentliche Einrichtungen bauen.

Kulturelles Angebot. Der Bürgermeister packte den Wiederaufbau der Oper Abay an.. Der Saal befand sich in einem beklagenswerten Zustand, aber der Kulturminister, dem er unterstand, berief sich auf Finanzprobleme und unternahm nichts. Viktor Khrapunov erreichte, dass die Institution mit kommunalen Mitteln saniert werden konnte. Die Wiederaufbauarbeiten konnten in kurzer Zeit fertiggestellt werden. Das renovierte Theater wurde im Januar 2001 eingeweiht. Andere Häuser – das Kindertheater Nathalie Sats, das koreanische Theater, das deutsche Theater – konnten an neue Orte umziehen. Das uigurische Theater und das russische Schauspielhaus Lermontov wurden ebenfalls renoviert.



Wiederaufbau des Flughafens. Im Juli 1999 hatte ein schwerer Brand den Flughafen und das Passagierterminal von Almaty vollkommen zerstört. Mangels finanzieller Mittel unternahm das Verkehrsministerium, in dessen Verantwortungsbereich das neue Terminal lag, nichts für den Wiederaufbau. Für Reisende, die in Almaty ankamen, bat sich mit dieser Ruine ein deprimierender Anblick. Schließlich nahm sich der Bürgermeister der Baustelle an, für deren Defizite das Finanzministerium eine Bürgschaft gab. Das deutsche Unternehmen Philipp Holzmann hatte gerade mit den Arbeiten begonnen, als eine politische Intrige des damaligen Premierministers in Verbindung mit der Region Almaty hereinbrach. Gemeinsam starteten sie ein unwahrscheinliches Projekt, und zwar den Bau eines neuen Flughafens 65 km von Almaty entfernt, der sich alle Rechte für Starts und Landungen internationaler Flüge sicherte. Sobald sie davon Wind bekamen, gingen die Deutschen fort. Nach einigen fruchtlosen Versuchen bei verschiedenen ausländischen Investoren, wurde schließlich mit der Depfa Bank eine Vereinbarung getroffen, wodurch das 53 Millionen Dollar-Bauprojekt beendet werden konnte. Das neue Terminal wurde im Dezember 2003 mit großem Pomp eingeweiht.

Trinkwasser. In Almaty, wo die Bevölkerung an ein bevormundendes kommunistisches System gewöhnt war, wurde Trinkwasser gedankenlos verbraucht. Am Ende der Sowjet-Ära bedeutete das 400 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr, die mit erheblichen Kosten und Aufwand gepumpt, gereinigt, verteilt und wieder aufbereitet wurden. Viktor Khrapunov ließ überall einzelne Zähler einbauen, damit jeder eine detaillierte Rechnung ausgestellt bekommen konnte, was eine erhebliche Verringerung des Wasserverbrauchs pro Kopf zur Folge hatte. Dieser Anreiz zeigte schnelle und tiefgreifende Wirkung: 2004 verbrauchte die Stadt nur noch 267 Millionen m3 Wasser.

Bildung. Im Zeitraum zwischen der Unabhängigkeitserklärung des Landes 1991 und dem Eintritt Viktor Khrapunovs in die Führungsspitze des Rathauses von Almaty 1997 war dort nicht eine einzige Schule gebaut worden. Im Jahr 1997 hatte die Stadt nur 55.000 Schulplätze zur Verfügung, musste aber 73.000 Schüler aufnehmen. Mehrere Schulen hatten mit der Rationierung der Nutzung ihrer Räume begonnen. Zwischen 1997 und 2004 wurden zwölf Schulen gebaut, die 12.000 zusätzliche Schüler aufnehmen konnten.

Abfallentsorgung. Der Bürgermeister schloss einen Vertrag mit einem schwedischen Unternehmen, das Anlagen zum Zweck der Sammlung, Entfernung und Entsorgung der städtischen Abfälle lieferte. 5000 Müllbehälter europäischen Typs wurden in der Stadt für die Abfallentsorgung aufgestellt. Eine Müllsortierungs- und Recyclinganlage wurde gebaut und in Betrieb genommen.

Unterstützung der Ärmsten. Die überwiegende Mehrheit der kasachischen Veteranen und Invaliden des Zweiten Weltkriegs lebten in Almaty (260.000 Personen). Ein Gesetz sah Privilegien für diese Generation vor, die so viele Opfer gebracht hatte, es wurde jedoch nicht mehr angewendet. Viktor Khrapunov tat sein Möglichstes, um dieser Personengruppe zu helfen, die ihm besonders am Herzen lag: Ihre mehr als bescheidenen Renten, die endlich termingerecht gezahlt wurden, ergänzte er durch eine Aufstockung. Diejenigen, die aus medizinischen Gründen ein privates Transportmittel benötigten, bekamen es endlich. Ebenso unterstützte der Bürgermeister auch Waisen und Behinderte mit einer Reihe von Maßnahmen. Viktor Khrapunov ließ ein Haus für Veteranen bauen, in dem 500 Menschen Platz hatten, ein diagnostisches Zentrum mit modernen Geräten, ein Hospiz für unheilbar Kranke am Ende ihres Lebens sowie eine Schule für motorisch beeinträchtigte Kinder.

Als Viktor Khrapunov im Dezember 2004 das Rathaus von Almaty verlassen musste, konnte er stolz auf seine Arbeit zurückblicken. In sieben Jahren hatte die Stadt ein komplett neues Gesicht bekommen. Die Lebensqualität hatte sich spürbar verbessert. Während all der Jahre hat er sich unermüdlich zum Wohl der Einwohner der Stadt engagiert, was diese ihm hoch anrechneten: Viktor Khrapunov war ein populärer, geschätzter und anerkannter Bürgermeister. Seine Arbeit und sein Einsatz brachten ihm übrigens auch offizielle Anerkennung ein. Von 2000 bis 2005, sechs Jahre in Folge, wurde er zur „Persönlichkeit des Jahres“ in der Kategorie der besten Bürgermeister ernannt. Im Jahr 2002 zeichnete man ihn als „Staatsmann des Jahres“ aus. 2005 wurde er zum „Besten Bürgermeister des Jahres“ in der Kategorie Einführung neuer Technologien gewählt. Zu dieser positiven Bilanz muss noch ein wichtiger Punkt hinzugefügt werden: Als er sein Amt als Bürgermeister von Almaty verließ, war die Stadt immer noch im Besitz ihrer Infrastruktur. In einem Land, wo der Präsidentenclan öffentliche Güter als Privatbesitz betrachtet, an denen er sich nach Belieben auf dem Rücken der Bevölkerung bereichern kann, verdient diese Tatsache besondere Beachtung. Während seiner Amtszeit an der Spitze von Almaty, musste sich Viktor Khrapunov regelmäßig den Mitgliedern der Familie Nazarbajew entgegenstellen, die ihn aufforderten, jene Dokumente zu unterzeichnen oder jene Maßnahmen zu ergreifen, um ihre persönliche Bereicherung zu fördern. Er widersetzte sich dem konsequent.

Während seiner Amtszeit intervenierte Viktor Khrapunov beim Premierminister und beim Präsidenten, um die Übertragung des Gasverteilungsnetzes der Stadt an das Privatunternehmen Energocentr rückgängig zu machen. 2006 wurde dieses Netz vom Schwiegersohn des Präsidenten, Timur Koulibajew, für die Summe von 62 Millionen Dollar erworben. Nach Informationen von A. Goncharov, der als Vermittler fungierte, wurden Kulibajew von dieser Summe 50 % zurück übertragen („otkat“).

Als er entschied, die Nutzung von Wohnungen oder Büros als Gewerbeflächen zu erlauben, erhielt der Bürgermeister von hochangesehenen Persönlichkeiten der Stadt Besuch, die ihm einen Deal verschlagen wollten. Sie baten ihn, das Inkrafttreten der neuen Verordnung um ein paar Monate zu verzögern, damit sie vorher Erdgeschosswohnungen in der Stadt günstig erwerben könnten. Das wäre für sie ein leichteres Manöver, da diese Wohnungen bei den Bewohnern der Stadt nicht besonders beliebt waren, vor allem aus Sicherheitsgründen. Sie hätten dann, nach Inkrafttreten der neuen Bestimmung, die Wohnungen mit hohen Profiten an die früheren Kioskbesitzer verkaufen können, die nun gezwungen wären, ihre Bürgersteige zu verlassen. Profite, die man selbstverständlich gerne mit dem Bürgermeister teilen würde. Einmal mehr lehnte Viktor Khrapunov es ab , sich bestechen zu lassen.

Eine der Töchter des Präsidenten, Dariga Nazarbajewa, wollte sich Büroflächen für ihre Firmen aneignen (NTK, Khabar, KTK, Karavan). Viktor Khrapunov verlangte, dass die Transaktion zum tatsächlichen Marktwert der Immobilien stattfinden solle, zu etwa 1500 Dollar/m2. Auf Anweisung des Präsidenten, dem auch die öffentlichen Güter des Landes unterstanden, konnte seine Tochter diese Büros, unter Umgehung des Bürgermeisters, für 50 Dollars/m2 erwerben.

Als Viktor Khrapunov sein Amt antrat, war der Flughafen Almaty bereits teilweise in den Besitz der Familie Nazarbajew übertragen worden. Tatsächlich hatten Timur Koulibajew und Nurzhan Subhanberdin sich der Infrastruktur des Flughafen im Wert von 22 Millionen Dollar bemächtigt, mit der Behauptung, der Flughafen hätte einen mit ihrer Bank, der KazKommerzBank, geschlossenen Kredit in Höhe von 3 Millionen Dollar nicht zurückgezahlt. Der neue Bürgermeister sammelte Dokumente, die beweisen, dass diese Übernahme illegal war und übergab sie dem Präsidenten, aber seine Bemühungen blieben vergeblich. Das Passagierterminal hingegen blieb im Besitz der Stadt bis zum Abschied von Viktor Khrapunov, der sich jeder Privatisierung entgegen gestellt hatte. Eine der ersten Amtshandlungen seines Nachfolgers Tasmangambetov war, den Flughafen dem Unternehmen SAT & Company für ein Butterbrot anzubieten, einer Firma, die seinem eigenen Schwiegersohn Rakishev gehört, der wiederum Geschäftspartner von Timur Koulibayev ist. Sie bekamen eine Konzession für 20 Jahre bei einer jährlichen Pacht von 3,5 Millionen, wobei ihnen allein die Rechte, die mit den internationalen Flügen verbunden sind, schon fast 24 Millionen pro Jahr einbringen. Verlust für die Stadtkasse: mehr als 400 Millionen Dollar in 20 Jahren. Ohne zu berechnen, dass die neuen Besitzer nicht einen Cent der 60 Millionen Dollar zurückgezahlt haben, die in den Wiederaufbau des Terminals investiert wurden – trotz eindringlicher Aufforderung durch den ehemaligen Bürgermeister.

Die Haltung von Viktor Khrapunov, seine wiederholten Weigerungen, sich an zweifelhaften oder geradezu illegalen Transaktionen zu beteiligen, machten ihn zur Zielscheibe von Angriffen und Hetze in den Medien, die von der Präsidentenfamilie kontrolliert werden.


Medien in russische:

  1. Назначение В.В. Храпунова акимом г. Алматы, Вечерний Алматы, 18.06.1997
  2. В. Храпунов: «Алматы был и остается духовным центром Казахстана», Казахстанская правда, 26.09.1997
  3. Борьба с преступностью: от слов к делу, Вечерний Алматы, 8.10.1997
  4. В аппарате акима г. Алматы, Вечерний Алматы, 31.10.1997
  5. В аппарате акима г. Алматы, Вечерний Алматы, 5.11.1997
  6. «Наш город останется духовной столицей, если мы сумеем распорядиться новыми полномочиями», Казахстанская правда, 6.11.1997
  7. К каждому предприятию – индивидуальный подход, Вечерний Алматы, 19.11.1997
  8. В аппарате акима г. Алматы, Вечерний Алматы, 21.11.1997
  9. Пути решения социальных проблем горожан в связи с получением Алматы особого статуса, Вечерний Алматы, 5.12.1997
  10. До свидания, Алматы!, Казахстанская Правда, 10.12.1997
  11. В аппарате акима г. Алматы, Вечерний Алматы, 19.12.1997
  12. В аппарате акима г. Алматы, Вечерний Алматы, 29.12.1997
  13. Из доклада В.Храпунова на XVI сессии Гормаслихата, Вечерний Алматы, 5.01.1998
  14. Да будет газ!?, Вечерний Алматы, 12.01.1998
  15. Особый статус Алматы и решение социальных проблем, Вечерний Алматы, 22.01.1998
  16. Накануне важной встречи, Вечерний Алматы, 16.02.1998
  17. Утром деньги – вечером стулья, Вечерний Алматы, 18.02.1998
  18. В. Храпунов: «Нам всем надо очень постараться, чтобы Алматы не потерял привлекательность южной столицы», Казахстанская Правда, 05.03.1998
  19. Малому кораблю – большое плавание, Вечерний Алматы, 16.03.1998
  20. Храм, достойный веры и надежд, Вечерний Алматы, 10.04.1998
  21. В. Храпунов: «У нас есть все, чтобы превратить Алматы в крупный туристический центр», Вечерний Алматы, 14.04.1998
  22. Победит сильнейший, а выиграют все, Вечерний Алматы, 1998
  23. В. Храпунов: “Ни одно обращение не осатанется без внимания”, Вечерний Алматы, 17.04.1998
  24. Салютует “Ак Жол”, Вечерний Алматы, 26.05.1998
  25. В. Храпунов: “В добрый путь, молодежь!”, Вечерний Алматы, 29.05.1998
  26. Голова советуется с сердцем, N 12 Жума-Пятница, июль 1998
  27. Мечеть приобретает законченный вид, Вечерний Алматы, 31.04.1999
  28. Ремонту оперного нужна оперативность, Вечерний Алматы, 14.05.1999
  29. Инкубаторы для взращивания предпринимателей, Вечерний Алматы, 23.06.1999
  30. Новая мечеть в строю действующих, Вечерний Алматы, 5.07.1999
  31. Центральная мечеть открылась в символичный день, Казахстанская правда, 6.07.1999
  32. Казенный дом, Вечерний Алматы, 07.07.1999
  33. Алматы – город свободного предпринимательства, Вечерний Алматы, 12.07.1999
  34. Готовы ли школы к занятиям, Вечерний Алматы, 23.07.1999
  35. Аким метро курылысында болды, Алматы Акшамы, 22.09.1999
  36. В. Храпунов: «За должность мэра я готов бороться», Новое поколение, 8.10.1999
  37. Алматинский проспект, Казахстанская правда, 19.10.1999
  38. В третьем тысячелетии астанайцы захотят в Алматы, Экспресс К, 14.11.1999
  39. Театры Алматы: как жить дальше?, Вечерний Алматы, 24.01.2000
  40. Вечен ли долгострой?, Вечерний Алматы, 24.01.2000
  41. Бей первым, Витя!, газета Время, 3.02.2000
  42. Аким Южной Столицы отвечает горожанам, Вечерний Алматы, 28.04.2000
  43. Аким Южной Столицы отвечает горожанам, Вечерний Алматы, 3.05.2000
  44. Проливной дождь – празднику не помеха, Вечерний Алматы, 26.05.2000
  45. Мой город – моя боль, любовь, надежда, Комсомольская правда, 17.06.2000
  46. В. Храпунов: «Любовь была без радости, разлука будет без печали», Вечерний Алматы, 23.06.2000
  47. Диалог без посредников, Вечерний Алматы, 19.08.2000
  48. Французы обещают чистую воду по прежним тарифам, Казахстанская правда, 7.10.2000
  49. Надежда на чистую воду, Вечерний Алматы, 7.10.2000
  50. Ненужна им заграница – поможет южная столица, Вечерний Алматы, 14.10.2000
  51. Самое дорогое признание – признание народа, 29.11.2000
  52. Казiр акша жок, или зачем акиму кресло?, Экспресс К, 15.12.2000
  53. Первый блин не комом, Вечерний Алматы, 2000
  54. Дом, где согреваются сердца, Вечерний Алматы, 5.05.2001
  55. В. Храпунов: «Если выборы – благо страны, то я «за», Мегаполис, 31.08.2001
  56. Неделя большого хоккея, Вечерний Алматы, 9.04.2003
  57. Аким Алма-Аты взял под личный контроль противопожарную безопасность школ города, КП Казахстан, 17.04.2003
  58. Из класса школьного – в большую жизнь!, Вечерний Алматы, 28.05.2003
  59. Из Алма-Аты с любовью, Известия Казахстан, 12.07.2003
  60. К 2005 г. в Алма-Ате появится монорельсовая дорога, КП Казахстан, 29.10.2003
  61. Лед и пламень былой славы, Грандиозная стройка, Экспресс К, 23.11.2003
  62. Школа нового типа, Вечерний Алматы, 2003
  63. Наш тариф – самый низкий, АиФ, декабрь 2003
  64. Подвиг акима, Новое поколение, 26.12.2003